Performance Impulse

Erschöpfung taugt nicht als Statussymbol

26. Februar 2018 Fachbeiträge

Ein Beitrag von Joachim Pawlik, Gründer und Geschäftsführer von PAWLIK Consultants

Gehören Sie schon zu der wachsenden Zahl jener, die ständig das Gefühl quält, niemals genug zu schaffen? Und das obwohl Sie morgens um sechs und noch vor dem Frühstück die ersten Mails beantworten und vor dem Einschlafen noch ein letztes Mal online gehen? Eine erledigte Sache gibt nur Raum für die nächste – und so haben immer mehr Menschen das Gefühl, einfach nicht mehr hinterher zu kommen. Die Flut an E-Mails, Social-Media-Posts, Whatsapp-Nachrichten, die uns jederzeit und – um ehrlich zu sein – fast überall hin begleitet, schraubt die Erwartungen an unsere Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit in unerträgliche Höhen. Sie haben eine Anfrage noch nicht beantwortet? Das entsprechende Netzwerk macht Sie darauf aufmerksam, dass noch jemand auf Sie wartet – und dass eine kürzere Reaktionszeit in Zukunft auch besser wäre. Dieses fortwährende Zerren an der eigenen Verfügbarkeit ist inzwischen normal – und es ist tückisch. Denn es suggeriert uns selbst und allen, die es mitbekommen, relevant zu sein, gebraucht zu werden: „Ich bin ständig unter Strom, also bin ich unentbehrlich!“ Genau wegen dieser Botschaft kultivieren einige Menschen ihren Stress geradezu – und übersehen dabei, dass Ihnen in diesem Hamsterrad irgendwann die totale Erschöpfung droht.

Die Sozialforscherin Brené Brown von der University of Houston hat sich mit „der Last, nicht genug zu schaffen“ intensiv befasst. Sie kommt zu dem Schluss, dass Führungskräfte in dieser Situation besondere Verantwortung tragen und umdenken müssen. Anstatt zwischendurch mal eine Pause einzulegen, hetzen viele Chefs mit ihren Teams von To-Do zu To-Do und nehmen sich viel zu wenig Zeit für einen Schulterblick. Eine Aufgabe ist abgeschlossen? Hier wartet die nächste. Browns Rat: „Einfach mal fünf Minuten Feedback geben und anerkennen, dass jemand etwas Wichtiges abgeschlossen hat.“ Das ist nicht nur eine Frage der Führungsethik. Es bringt auch die besseren Erfolge. Lassen Sie sich als Chef nicht von pausenloser Geschäftigkeit und Erschöpfung beeindrucken. Ihre Mitarbeiter sind viel produktiver, wenn sie eigenen Stolz erleben und Ihre Anerkennung für das Geleistete erfahren.

Als Führungskraft haben Sie auch in Punkto Erreichbarkeit eine klare Vorbildfunktion. Definieren Sie Zeiten, in denen Sie – außer in Notfällen – nicht erreichbar sind und nicht auf E-Mails reagieren und etwas tun, dass Ihnen ganz persönlich etwas bedeutet. Am einfachsten gelingt das, wenn Sie Ihre Handys und Tablets einfach mal ausschalten. Ermutigen Sie auch ihre Mitarbeiter eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen! Und vor allem: Machen Sie sich klar, dass eine „Always On“-Mentalität wenig smart ist und die eigene Erschöpfung als Statussymbol nicht taugt. Nicht für Ihre Mitarbeiter – und nicht für Sie.

Joachim Pawlik ist Experte für Personalentwicklung, Vortragsredner und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Pawlik Consultants. Im Internet: www.pawlik.de


Dieser Beitrag von Joachim Pawlik ist am 24. Februar 2018 in der Kolumne „Kompass“ in der Printausgabe des Hamburger Abendblatts erschienen.



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