Performance Impulse

FDP-Parteichef Christian Lindner beim 16. Pawlik Congress

7. Dezember 2017 Pressemitteilung

Hamburg. Der FDP-Parteichef war in Eile. Angesichts der am Nachmittag in Berlin anstehenden Sondierungsgespräche über die angestrebte Jamaika-Koalition bat Christian Lindner am Dienstagmorgen, sofort zur Sache kommen zu dürfen. Der Spitzen-Liberale war einer der Referenten beim Kongress zum Thema „Mut” im Hotel Gastwerk, initiiert vom Hamburger Unternehmensberater Joachim Pawlik, zugleich Vizepräsident des FC St. Pauli. Gäste, die sich einen Schlüsselloch-Blick bei den so schwierigen Verhandlungen zwischen CDU, CSU, Grünen und der FDP erhofft hatten, wurden nicht enttäuscht. Gewohnt scharfzüngig sprach Lindner über seine Verhandlungspartner.

Inzwischen stehe man kurz vor dem „Stockholm-Syndrom”, also dem psychologischen Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen zu ihren Entführern ein positives Verhältnis entwickeln. „Irgendwann kann ich nicht mehr ohne Jürgen Trittin, und er nicht mehr ohne mich”, prophezeite Lindner. Dabei gilt der grüne Bundestagsabgeordnete als erklärter Gegner der FDP. Doch das Bild sei differenzierter: „Trittin gibt sich nach außen hartleibig, nach innen aber kompromissbereit.” Bei Robert Habeck, grüner Minister in Schleswig-Holstein, sei es umgekehrt.

Plädoyer für mehr Mut

Ansonsten plädierte Lindner für mehr Mut in der Politik. Statt „German Angst” zu zeigen, müsse Deutschland seine Probleme anpacken. Mit einem Einwanderungsgesetz, mit Investitionen in Bildung, vor allem in die Schulen, die vielfach zu „Schrottplätzen für Elektromüll” verkommen seien: „Da gelten Tageslichtprojektoren schon als modern.” Der Föderalismus in der Bildung sei nicht mehr Teil der Lösung, sondern längst Teil des Problems: „Das müssen wir ändern.”

Eklatante Mängel gebe es in Deutschland auch bei der Digitalisierung: „Beim Ausbau des Glasfasernetzes sind wir näher an Nord- als an Südkorea.“ Deutschland liege bei fünf bis sechs Prozent, Nordkorea bei null Prozent, Südkorea aber bei 90 Prozent: „Deshalb brauchen wir ein Digitalministerium.“ Die Aussichten auf ein Jamaika-Bündnis schätzte Lindner positiver als noch vor Wochenfrist ein, dennoch sei ein Scheitern weiter möglich.

Mehr Mut für Innovationen

Zweiter Redner des Tages war Matthias Sammer, bis 2016 Sportvorstand beim FC Bayern. Für den Europameister von 1996 ist Mut auch immer eine Frage von Leidenschaft und Disziplin. Jede Mannschaft brauche Leitfiguren wie einst Oliver Kahn. Der inzwischen entlassene Bayerntrainer Carlo Ancelotti sei auch an seinem Umgang mit Führungsspielern gescheitert: „Er hat Spieler wie Thomas Müller ohne Not infrage gestellt.“ Nationalspieler Joshua Kimmich prophezeite Sammer eine große Zukunft: „Er wird einmal Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern.“

Rüdiger Grube, bis Januar 2017 Vorstandschef der Deutschen Bahn, forderte mehr Mut für Innovationen. Durch die Digitalisierung sei das Tempo für notwendige Veränderungen radikal gestiegen: „Deshalb haben wir bei der Bahn Vorstandssitzungen im Stehen abgehalten, um schneller zu werden.“ Grube nutzte seinen launigen Vortrag auch zu einer Abrechnung mit gestiegenen Gehältern von Konzernvorständen: „Facharbeitern ist dies nicht mehr zu vermitteln.“ Viel Mut beweist Grube derzeit am heimischen Herd, wenn seine Frau, die Sterneköchin Cornelia Poletto, unterwegs ist: „Dann muss ich für unsere Tochter kochen.“ Stampfkartoffeln würden aber schon gut gelingen.


Der Bericht über den 16. Pawlik Congress von Peter Wenig ist am 15. November 2017 im Hamburger Abendblatt erschienen.



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