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Mit unserem Selbstcoaching lernen Sie, eine kognitive Dissonanz auszugleichen

In 5 Schritten zu mehr geistiger Energie: So coachen Sie sich selbst bei kognitiver Dissonanz

22. September 2016 Fachbeiträge

Kennen Sie das auch? Ein Freund berichtet Ihnen so begeistert von einem Hotel in der Toskana, dass Sie beschließen: Da fahre ich auch hin. Während die Buchungsbestätigung bereits in Ihrem E-Mail-Postfach aufleuchtet, werfen Sie einen kurzen Blick auf TripAdvisor – und sind geschockt. Ihr Hotel hat nur zwei von fünf möglichen Punkten erhalten. „Servicewüste“ lautet das Fazit der aktuellsten Bewertung. Enttäuschung macht sich breit. Sie beginnen zu zweifeln: Haben Sie sich falsch entschieden? Hätten Sie sich besser informieren sollen? Oder können Sie der Empfehlung Ihres Freundes vertrauen? Diesen inneren Spannungszustand – die sogenannte kognitive Dissonanz – kennen wir alle. Wie Sie mit solchen Widersprüchlichkeiten souverän umgehen, lernen Sie in diesem Selbstcoaching.

Was ist eigentlich kognitive Dissonanz?

Kurz zu den Grundlagen: Jeder Mensch nimmt die Wirklichkeit auf seine Weise wahr und ordnet sie ein. Das nennt man Kognitionen – also die Wahrnehmungen, Meinungen, Gedanken, Wünsche, Einstellungen oder Pläne eines Menschen. Stehen mehrere solcher Kognitionen im Widerspruch zueinander, empfindet die Person einen unangenehmen Spannungszustand: eine kognitive Dissonanz.

Im beruflichen und privaten Umfeld begegnen Sie immer wieder solchen Widersprüchlichkeiten. Beispielsweise könnte es Ihr Job erfordern, dass Sie etwas entgegen Ihrer persönlichen Überzeugung tun müssen. Obwohl Sie wissen, dass Sie so zum Erfolg des Unternehmens beitragen, fällt Ihnen der Schritt schwer. Trotzdem sind Sie gefordert, die – Ihnen widerstrebende – Absicht in die Umsetzung zu bringen. Was aber geschieht dabei konkret im menschlichen Gehirn? Und welche Möglichkeiten gibt es, mit dem Phänomen der kognitiven Dissonanz umzugehen?

Eine Situation, mehrere Reaktionsmöglichkeiten

Das Hotelbeispiel lässt es erahnen: Ein und die gleiche Situation kann völlig unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Während der eine nur noch grübelt, sucht der andere nach konkreten Lösungen für sein Dilemma. Diese Reaktionsmöglichkeiten gibt es:

Möglichkeit 1 – Lageorientierung

Die Person zeigt erhebliche Schwierigkeiten, widersprüchliche oder neue Informationen in sein Selbstsystem aufzunehmen. Die dabei aufkommenden negativen Gefühlszustände (z.B. Ärger, Wut, Anspannung etc.) können nicht ausreichend und selbstständig gegenreguliert werden. Somit wird das innere Spannungsgefühl immer stärker.

Die Folge: die sogenannte Lageorientierung. Die Person verharrt in ihrem Zustand und wird handlungsunfähig oder passt sich den gegebenen Bedingungen an – auch wenn dies im Widerspruch zu den eigenen Überzeugungen steht. In unserem Urlaubsbeispiel würden Sie folglich gar nicht mehr aus dem Grübeln herauskommen. Sie ärgern sich darüber, dass Sie sich nicht früher auf Bewertungsportalen informiert haben und bleiben in diesem Zustand „stecken“.

Welche Gehirnsysteme sind aktiviert?

Der Controller (blau; s. Abb.) ist das dominierende Gehirnsystem. In diesem Hirnareal finden das detailorientierte Wahrnehmen und die Misserfolgsanalyse statt. Dabei steckt die Person in ihrer Selbstkritik fest. Der Controller hemmt alle anderen drei Gehirnsysteme und verhindert insbesondere den Zugang zum sogenannten Geschäftsführer (gelb; s. Abb.), bei dem die Person ihre Situation gelassener, also im Überblick, betrachten würde.

Abb.: Das Handlungssteuerungsmodell nach Prof. Dr. Julius Kuhl veranschaulicht, was im Gehirn passiert, damit Menschen von der Absicht zur Umsetzung gelangen. Ausführliche Informationen zum Modell finden Sie unter Wissenschaft.

Möglichkeit 2a – selbstdisziplinierte Handlungsorientierung

Die Person geht in einen rationalen Denkmodus. Sie schafft es, durch hohe Selbstdisziplin das eigene Selbstsystem zu kontrollieren. So kann sie die einmal gefasste Entscheidung – konträr zum eigenen Wertesystem – „durchziehen“. Dafür muss sie alle attraktiven Alternativen ignorieren.

Im Hotelbeispiel würden Sie bei Ihrer Buchung bleiben und der Versuchung widerstehen, den Urlaub zu canceln. Sie würden somit aufkommende negative Gefühlszustände (z.B. Ärger, Wut, Anspannung etc.) vollständig gegenregulieren. Zusätzliche detaillierte Informationen reduzieren Sie, um damit eine innere, wenn auch unreflektierte, Gelassenheit zu erzeugen. Sie könnten beispielsweise TripAdvisor als nicht vertrauenswürdige Quelle einstufen. Zeitgleich könnten Sie sich darauf besinnen, dass Ihr Freund Ihnen bisher nur gute Tipps gegeben hat. Auf diese Weise kommen Sie in einen Zustand der Handlungsorientierung. Sie können sich weiter auf Ihren Urlaub vorbereiten. Allerdings nehmen Sie dafür mitunter große (psychische) Anstrengungen auf sich.

Welche Gehirnsysteme sind aktiviert?

Der Logiker (rot; s. Abb.) ist das dominierende Gehirnsystem. Sie analysieren bewusst die Ihnen vorliegenden Informationen und ordnen diese ggf. neu ein. In der Folge aktiviert der Logiker den Macher (grün; s. Abb.), das Hirnareal, das für das Handeln zuständig ist.

Möglichkeit 2b – willentliche, zielgerichtete Handlungsorientierung

Souverän geht die Person mit kognitiven Dissonanzen um, wenn sie ein gutes Selbstgespür hat, sich selbst beruhigen und in einen Zustand der Gelassenheit bringen kann. Dadurch werden widersprüchliche Informationen im Selbstsystem vereint. Das Wahrnehmungssystem für Unstimmigkeiten ist zwar weiterhin wachsam, aber nicht zu kritisch. Der rationale Denkmodus gibt dem Selbst genügend Raum für „Einwände“. Dadurch wird die Zielsetzung positiv in die Umsetzung gebracht, ohne sich dabei selbst zu überfordern.

Beim Urlaubsbeispiel würden Sie die Informationen, die Sie durch das Bewertungsportal zusätzlich bekommen haben, als Bereicherung schätzen. Danach würden Sie die Lage mit etwas gedanklichem Abstand neu beurteilen und entscheiden, welchem Urteil Sie mehr vertrauen. Folglich können Sie abwägen, ob Sie den Urlaub antreten oder nicht.

Welche Gehirnsysteme sind aktiviert?

Nachdem eine Selbstberuhigung erfolgt und das Selbstsystem (gelb; s. Abb.) somit an Überblick gewinnt, werden alle vier Gehirnsysteme gleichermaßen aktiviert und genutzt – es gibt kein dominierendes Gehirnsystem.

Selbstcoaching in 5 Schritten

Auch wenn viel Druck auf Ihnen lastet, sollten Sie möglichst in der Lage sein, Ihr eigenes Ruhebedürfnis weiter wahrzunehmen. Dadurch können Sie bewusst mit unterschiedlichem Stress umgehen und Lösungen finden, die Ihnen gerecht werden oder mit denen Sie zumindest gut leben können. Das spart Ihnen psychische Energie. Diese können Sie dann verwenden, um Ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen oder Aufgaben zu erledigen.

Und so funktioniert es:

Schritt 1: Bei sich sein

Sie haben ein gutes Selbstgespür – kennen also Ihre persönlichen Bedürfnisse, Interessen, Wünsche, Werte etc. und haben einen guten Zugang dazu.

Reflektierende Fragen:

  • Was oder wer ist mir wichtig?
  • Welche Ziele, Wünsche oder Bedürfnisse habe ich?
  • Nach welchen Werten möchte ich leben?

Schritt 2: Unstimmigkeiten bewusst wahrnehmen

Sie schärfen Ihren Blick für Details. Dabei nehmen Sie viele unterschiedliche Aspekte einer Situation oder eines Sachverhaltes wahr. Die innere Analyse zeigt Ihnen, dass die Wahrnehmungen im Widerspruch zu den bisher persönlich empfundenen Ansichten wie z.B. Werte, Meinungen, Wünsche etc. stehen.

Reflektierende Fragen:

  • Was nehme ich konkret wahr?
  • Kenne ich die wahrgenommenen Stimmungen, Meinungen oder Wünsche?
  • Inwiefern stehen sie in einem möglichen Widerspruch zu meinen bisherigen Ansichten?

Schritt 3: Sich selbst beruhigen

Nun schaffen Sie es, die aufkommenden negativen Gefühlszustände (z.B. Ärger, Wut, Anspannung etc.) – ausgelöst durch Widersprüchlichkeiten – ausreichend und selbstständig zu regulieren. Somit bringen Sie sich in einen Zustand der Gelassenheit. Sie bleiben zwar weiterhin wachsam, aber nicht zu kritisch. Und auch Ihr Denkmodus dominiert nicht Ihr Verhalten, indem es die einmal gefasste Entscheidung konträr zum eigenen Wertesystem „durchzieht“.

Reflektierende Fragen:

  • Was ist das eigentliche Problem?
  • Was kann ich tun, um das Wahrgenommene nicht mehr als Widerspruch zu erleben?
  • Welche Alternativen habe ich?
  • Brauche ich zunächst eine zeitliche oder räumliche Auszeit?
  • Wie gehen meine Kollegen oder Freunde mit ähnlichen Situationen um?

Schritt 4: Den Blick weiten

Im nächsten Schritt gelingt es Ihnen, in den Überblick zu gelangen. Zunächst können Sie die widerstreitenden inneren Stimmen und Gefühle aushalten oder sogar die wahrgenommenen Widersprüchlichkeiten in das eigene Selbstsystem integrieren. So schaffen Sie es, gegensätzliche Bedürfnisse und Interessen zusammenzubringen und Wirkungen im eigenen Verhalten zu vermeiden, die von innerer Zerrissenheit zeugen.

Reflektierende Fragen:

  • Welche Chancen ergeben sich für mich, wenn ich vermeintlich Gegensätzliches miteinander verbinde?
  • Kann ich mich mit den Widersprüchlichkeiten teilweise identifizieren?
  • Gibt es Übereinstimmungen zu meinem eigenen Selbstsystem?

Schritt 5: Aktiv bleiben

Trotz auftretender Widersprüchlichkeiten können Sie weiterhin Ihre Zielsetzungen verfolgen. Das innere Spannungsgefühl wird beruhigt. Der rationale Denkmodus gibt dem Selbstsystem genügend Raum für „Einwände“, plant aber (positiv) diszipliniert weiteres Vorgehen. So setzt er Energien frei, um in die Handlung und damit in die Umsetzung zu gelangen.

Reflektierende Fragen:

  • Wie kann ich die neuen Erkenntnisse für meine nächsten Handlungsschritte nutzen?
  • Was muss ich für die Umsetzung meiner Aufgabe noch bedenken bzw. planen?
  • Was für ein Ergebnis möchte ich erzielen?
  • Wie kann ich mich bei Zielerreichung ausreichend belohnen?

Wenn Sie diese fünf Schritte erfolgreich durchlaufen, haben Sie es geschafft: Sie haben einen souveränen Umgang mit kognitiven Dissonanzen entwickelt. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei.

Sie möchten mehr über die vier Gehirnsysteme und das Handlungssteuerungsmodell erfahren? Dann haben wir hier noch mehr Input anschaulich für Sie aufbereitet – inklusive Videos und White Paper.

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