Performance Impulse

Die Kraft des negativen Denkens

14. Februar 2018 Fachbeiträge

Immer schneller, immer vernetzter, immer komplexer. Die Arbeitswelt entwickelt sich rasant und dabei wächst der Druck. Ganze Industrien sind damit beschäftigt, den zunehmenden Stress zu reduzieren. Doch wer auf Dauer die beste Performance liefern und gesund bleiben will, muss sein Denken über Stress verändern.

Was sich im täglichen Leben beobachten lässt, bestätigen nun auch Umfragen: Der Stress nimmt für die meisten Menschen dramatisch zu. Wie begegnen wir ihm also? Modern organisierte Unternehmen sorgen für Freizeitausgleich oder bieten Sabbaticals an. Coaches versuchen, mit Yoga, Meditation oder Atemübungen Entlastung zu schaffen. Diese Maßnahmen haben ihre Berechtigung. Sie können helfen, im Wettlauf mit dem Stress Abstand zu gewinnen. Doch dann holt er uns wieder ein. Immer mehr Menschen greifen zu Psychopharmaka. Der Tablettenkonsum steigt dramatisch. Was kommt danach? Ganz offensichtlich stoßen wir an die Grenzen der Belastbarkeit. Wer sich mit der Zukunft der Arbeitswelt beschäftigt, stellt sich daher die Frage, wie der Druck, der künftig noch stärker auf uns zukommen wird, zu bewältigen ist.

Den Stress zum Freund machen

Zielführend ist weder Verdrängung noch Flucht, sondern Stressmanagement. Wir müssen diesen zu unserem Freund machen und die Energie nutzen, die er in uns freisetzt. Denken Sie an folgendes Prinzip aus dem japanischen Kampfsport: Die Energie des Angreifers wird nicht einfach abgeblockt, sondern umgelenkt und für die eigenen Ziele genutzt. Wenn wir also Druck ausgesetzt sind, sollten wir den daraus resultierenden Stress ebenfalls ins Positive wenden. Ein erhöhter Herzschlag versorgt unser Gehirn mit mehr Sauerstoff, wir reagieren dann sensibler und schneller auf unser Umfeld. Kurz: Stresssymptome bieten Körper und Geist optimale Voraussetzungen für maximale Leistungsfähigkeit.

Wenn der Chef neben dem kaum zu stemmenden Alltagsgeschäft ein neues Change-Projekt anstößt. Wenn ein zentraler Mitarbeiter das Team verlässt oder die Zielvorgaben bei gleichen Ressourcen noch einmal angehoben werden. Was ist dabei meistens das erste Gefühl? Versagensangst, Stress. Und der erste Impuls darauf: dem auszuweichen, nach dem Motto „es wird schon nicht so schlimm“.

Sich gedanklich mit dem Scheitern befassen

Die New Yorker Psychologin Gabriele Oettingen hat sich ausführlich mit der Frage beschäftigt, welche Leistungen Manager erbringen, die den hohen Stressfaktor eines möglichen Versagens zulassen und sich aktiv mit der Möglichkeit beschäftigen, zu scheitern.

Wie sich die Auseinandersetzung mit dem möglichen Misserfolg auf die Performance auswirkt, zeigt ein Test mit Personen, die abnehmen wollten. In einer Gruppe schürte die Wissenschaftlerin die Vorfreude auf den künftigen Waschbrettbauch. Die andere konfrontierte sie gedanklich auch mit den Hindernissen: Gehen Sie nach einem unerfreulichen Arbeitstag, wenn Sie abends um zehn müde nach Hause kommen, wirklich noch laufen?

Das Ergebnis überrascht nur auf dem ersten Blick. Die Personen, die sich auch mit dem potenziellen Scheitern ihres Vorhabens beschäftigt hatten, waren deutlich erfolgreicher als die von vornherein von ihrem Erfolg Überzeugten. Der Test führt bei Arbeitsprojekten, Präsentationen oder Vorstellungsgesprächen zum gleichen Ergebnis.

Psychologen nennen dies „die Kraft des negativen Denkens“. Immer wenn wir also mit einer neuen Situation konfrontiert sind, dürfen und müssen wir uns sogar mit unserem möglichen Scheitern befassen. Denn wenn wir das tun, arbeiten wir fokussierter, konzentrierter und sind sensibler für Fehlentwicklungen. Das Ergebnis: Wir können rechtzeitig gegensteuern und Herausforderungen zum Erfolg wenden.

Eine Falle ist dabei zu vermeiden: sich als Opfer dieser schwierigen Umstände zu fühlen, zu glauben, dass man selbst ja doch nichts bewirken kann. Wer so fühlt, leidet deutlich stärker unter Stress. Daher ist es wichtig, die Zügel in der Hand zu halten oder sich das zumindest vorzustellen. Ein Extremfall macht dies deutlich. Während einer 444 Tage dauernde Geiselhaft von 52 Diplomaten in der amerikanischen Botschaft in Teheran deutete ein Gefangener alles, was um ihn herum passierte, zu einer selbstbestimmten Aktion um: sich als Gastgeber, die Geiselnehmer als Gäste. Rein fiktiv entwickelte er so das Gefühl, Herr der Situation zu sein. Dieser Mann überstand die Geiselhaft gesundheitlich am besten.

Ein positiverer Umgang mit Stress und das Gefühl von Selbstbestimmtheit sind übrigens nicht schwer umzusetzen. Wille und das Bewusstsein darüber, von dieser Denkweise zu profitieren, genügen in der Regel schon. Der Lohn: deutlich bessere Ergebnisse im Job und weniger Gesundheitsprobleme durch Stress.

Vortrag von Joachim Pawlik

Ändern Sie Ihre Einstellung zu Druck, rät Joachim Pawlik.
Wie das langfristig gelingt, erläutert er mit anschaulichen Beispielen in seiner Eröffnungsrede zum 15. Pawlik Congress

Bilden Sie sich mithilfe von Personalentwicklung weiter Die Energie nutzen
Nutzen Sie die Energie, die sich aus aufkommendem Druck ergibt und finden Sie in einer individuellen Beratung heraus, welcher Weg Sie dorthin führen kann. Mehr dazu erfahren Sie hier.


Zurück zur Übersicht



Benötigen Sie mehr Informationen?
Vereinbaren Sie ein unverbindliches Expertentelefonat:
Danke. Wir rufen Sie schnellstmöglich an.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere sie hiermit.